Sprache im August: 6 lesenswerte Artikel

Sprache lebt und befindet sich in einem steten Wandel. Das macht vielen Menschen Angst – ist jedoch erst einmal nichts Ungewöhnliches. Denn auch wir entwickeln uns konstant weiter und sind nicht dieselben wie wir es vor fünf, zehn oder hundert Jahren waren. Gleichzeitig gibt es Sprachen, die massiv verdrängt werden und vom Aussterben bedroht sind. Stirbt jedoch eine Sprache, stirbt mit ihr eine ganze Weltanschauung – und meist sind es ohnehin marginalisierte Gruppen, die von dieser Bedrohung betroffen sind. In der Reihe „Sprache im …“ stelle ich ab sofort gegen Ende jedes Monats eine Auswahl an Artikeln zusammen, die Sprache zum Thema haben. Ich hoffe, damit zu größerem Verständnis für die Notwendigkeit einer sprachlichen Weiterentwicklung und für den Schutz gefährdeter Sprachen beizutragen.

1. Antirassistische Sprache

In Antirassistische Sprache: Schwarz ist keine Farbe schildert Tigran Petrosyan, warum wir im Kontext Antirassismus Schwarz mit großem S und weiß mit kleinem w und kursiv schreiben. Außerdem erklärt er gut nachvollziehbar, woher der Begriff PoC historisch kommt und thematisiert abschließend das rassistische Erbe, das vor allem Nordamerikaner und Europäer antreten. Ohne die Verhältnisse selbst geschaffen zu haben, trifft sie keine Schuld – eine kollektive Verantwortung jedoch sehr wohl. Der Artikel ist Teil der taz-Reihe Zurück zu den Grundlagen, in der jede Woche ein Text über feministische oder antirassistische Begriffe erscheint.

2. Sprachentwicklung

Sabine Peschel fasst in So hat sich die deutsche Sprache entwickelt zusammen, wie aus indogermanischen Wurzeln das Germanische wuchs und sich zum Neuhochdeutschen entwickelt hat. Darüber hinaus lässt sie den Forscher Peter Polenz zu Wort kommen, der Entwarnung gibt: Der ständige Sprachverfall, der regelmäßig beklagt wird, ist keiner, denn Sprache befindet sich immer im Wandel.

3. Sprache zwischen Mensch und Tier

Auf wissenschaft.de stellt Martin Vieweg in Mensch und Hund verarbeiten Sprache ähnlich eine aktuelle Studie vor: Diese legt nahe, dass das Gehirn von Hunden bei der Sprachverarbeitung ebenso hierarchisch vorgeht wie das von Menschen.  Fazit: Die Sprachverarbeitung beim Menschen ist einzigartig, doch wird die Wortbedeutung bei einigen Spezies auf höheren Stufen analysiert.

4. Gefährdete Sprachen

Warum Kontaktsprachen am Aussterben sind und warum es zwar eine wichtige, aber keine leichte Aufgabe ist, sie zu retten, schildert John Wenz in ‘Contact Languages’ Don’t Get the Respect They Deserve auf The Atlantic/Knowable Magazine. Nur 200 Kontaktsprachen wie etwa Varietäten des Pidgin und Kreol sind heute noch lebendig. Schützenswert sind sie nicht nur deshalb, weil sie Menschen miteinander verbinden – das nigerianische Pidgin English bringt Menschen aus 500 Sprachen zusammen – sondern allein schon deshalb, weil sie Teil einer kulturellen und ethnischen Identität und Geschichte sind. Sterben diese Sprachen, sterben ganze Traditionen und Weltanschauungen. Als ergänzende Lektüre empfehle ich Ein Weltatlas der Kontaktsprachen von Susanne Michaelis und Martin Haspelmath auf der Website der Max-Planck-Gesellschaft.

5. Gendergerechte Sprache

Für großen Wirbel sorgte Anfang des Monats ein neuer Leitfaden im Stuttgarter Rathaus: Für die an die Öffentlichkeit gerichtete Kommunikation werden der Genderstern und geschlechtsneutrale Formulierungen empfohlen. Streit um die Gender-Sprache: Stuttgart als Vorreiter*in? beleuchtet die hitzige Diskussion im Stuttgarter Rathaus.

6. Liebe zur Sprache

Zu guter Letzt möchte ich noch auf einen Beitrag von Aurelie von Blazekovic im Magazin der Süddeutschen Zeitung hinweisen. Der letzte Sprachpfleger ist ein interessantes und rührendes Porträt des Deutsch- und Lateinlehrers Werner Müller, der 25 Jahre lang als Sprachbeobachter für den Bayerischen Rundfunk tätig war und nun im Ruhestand ist.

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